Drei Fragen an Günter Wallraff

2009 November 16
by Steffen Leidel

wallraff
Es ist schon etwas her, da habe ich Günter Wallraff für unseren spanisch-sprachigen Blog re-visto.de über investigativen Journalismus interviewt. Im Juni sprach ich mit Wallraff eine Stunde lang über seine Methode und deren Grenzen. Das Interview (hier die volle Version auf Spanisch) nahm ich als Audio und mit meiner Flip-Kamera auf. Das ganze Material habe ich jetzt nach dem Erscheinen seines neuen Films “Schwarz auf Weiß” noch mal gesichtet und drei Fragen und Antworten daraus ausgewählt.

  1. Was halten Sie von Objektivität?
  2. Was raten Sie jungen Kollegen, die Ihre Methode anwenden wollen?
  3. Verträgt sich Ihr Beruf mit Ihrem Privatleben?

Wallraff geht bei seinen Arbeiten immer wieder an seine körperlichen Grenzen und gerät dabei in brenzlige Situationen. Es sind diese Rollen, die ihn auch international bekannt gemacht haben. Wenn ich in Seminaren in Lateinamerika über Journalismus in Deutschland rede, gibt es häufig Kollegen, die von ihm gehört haben.  Sein Buch “Ganz unten” wurde auch ins Spanische übersetzt. Vor allem in Mexiko, wo die Gewalt gegen Journalisten einen neuen Höhepunkt erreicht, kennt man seinen Namen und es gibt viele Journalisten, die mit seiner Methode liebäugeln. Doch hier sieht Wallraff auch die Grenzen seiner Methode:

“Ich bin hier in Deutschland in einer Art Schonbereich. Ich kann Konzerne und sehr Mächtige angehen, ohne um mein Leben zu fürchten. Wenn ich das mit der gleichen Konsequenz in Mexiko gemacht hätte, wäre ich wohl schon längst nicht mehr unter den Lebenden.”

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Investigativer Bürgerjournalismus: Geht das?

2009 November 5
by Steffen Leidel
propublica-contractors

Daten sammeln mit Hilfe der Bürger

Braucht Journalismus in Zeiten der Medienkrise einen Marshallplan? Angesichts des dramatischen Zeitungssterbens wird diese Frage derzeit vor allem in den USA diskutiert.

Offensichtlich ist, dass die traditionellen Geschäftsmodelle der Medien nicht mehr funktionieren. Es gilt neue Geldquellen zu erschließen. In diesem Zusammenhang werden gerne Stiftungen als mögliche Geldgeber diskutiert. Als das derzeit spannendste stiftungsfinanzierte Journalismus-Projekt gilt zweifellos ProPublica (das lab berichtete)

Die Organisation mit Sitz in New York beschäftigt mehr als 30 Redakteure, die investigativen Journalismus betreiben sollen. Die Arbeit seiner Reporter stellt ProPublica Zeitungen und Fernsehsendern kostenlos zur Verfügung. Hauptförderer von ProPublica ist der  Milliardär Herbert Sandler. Geleitet wird ProPublica von dem in der Medienbranche sehr angesehenen Ex-Chefredakteur des Wall-Street-Journals, Paul Steiger.

amandamichel

Amanda Michel arbeitete zuvor bei der Huffington Post

ProPublica setzt bei seinen Recherchen zunehmend auch auf Bürgerjournalisten. Im Juni startete die Organisation das so genannte Reporting Network. Bürger sollen auf freiwilliger Basis für ProPublica konkrete Projekte von öffentlichem Interesse unter die Lupe nehmen. Im August 2009 zählte ProPublica 1800 Netzwerk-Mitglieder in den gesamten Vereinigten Staaten. Koordiniert und geleitet wird das Projekt von Amanda Michel. Sie war zuvor bei der linksliberalen Webzeitung Huffington Post als Chefin vom Dienst zuständig für das Projekt “Off the Bus”. Rund 11.000 Bürgerjournalisten berichteten für die Huffington Post über den US-Wahlkampf.

Die Deutsche-Welle-Volontärin Nina Plonka hospitierte fünf Wochen bei ProPublica und hat für das lab-Blog und für unseren spanisch-sprachigen Blog für investigativen Journalismus re-visto.de Amanda Michel interviewt. In dem Video-Clip erzählt sie über ihre Erfahrungen bei ProPublica.

Wie funktioniert das Reporter Netzwerk?

Meine Aufgabe ist es, einen Reporterauftrag zu entwickeln. Den schicke ich dann per E-Mail an das Netzwerk. Gleichzeitig wird der Auftrag auf unserer Internetseite gepostet. Leute, die sich dafür interessieren, werden Schritt für Schritt durch den Anmeldeprozess geführt. Nicht jeder im Netzwerk ist immer aktiv, die Leute haben ja auch Privatleben.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Die Regierung hat ein riesiges Konjunkturpaket verabschiedet. Das umfasst tausende Projekte, wie den Bau von neuen Straßen oder Brücken, im ganzen Land. Wir haben eine Liste mit diesen Bauvorhaben zusammengestellt und die Mitglieder unseres Reporter Netzwerks gebeten, ein Projekt zu “adoptieren”, das heißt, darüber Informationen zu besorgen.

Was passiert, wenn jemand ein Projekt adoptieren möchte?

Per E-Mail erkläre ich ihm, welche Informationen wir benötigen. Es gilt zunächst darum herauszufinden, worum es in dem Bauprojekt geht. Es gibt mehr als 6000 dieser Projekte und manchmal reicht die Beschreibung einfach nicht aus. Als erstes könnte man also das Verkehrsministerium anrufen oder auf dessen Website gehen und recherchieren, worum es genau geht. Dann gilt es Information über den Status des Vorhaben zu sammeln. Ist es in der Ausschreibung? Hat der Bau begonnen? Falls ja, bitten wir die Leute, sich die Baustelle anzusehen und Fotos zu machen. Anschließend sollen sie herausfinden, wie viele Jobs dieses Projekt geschaffen hat. Das geht meistens durch einen Anruf bei der Baufirma oder beim Verkehrsministerium. Später wollen wir auch dokumentieren, welche Baufirmen tatsächlich vom Konjunkturpaket profitiert haben.

Was für Leute melden sich für das Reporternetzwerk?

Am engsten arbeite ich mit den Leuten zusammen, die sich für das Konjunkturpaket interessieren. Das sind meistens Personen, denen es nichts ausmacht, sich durch Datenmengen zu wühlen oder eine Baustelle zu besuchen. Darunter sind viele Lokaljournalisten und Ruheständler, die früher in städtischen Regierungen gearbeitet haben. Wir haben auch eine beachtliche Zahl von Buchhaltern.

Welche Geschichten eignen sich für das Reporter Netzwerk?

Wie bereits erwähnt, war unser erstes Projekt der “Spot Check”. Reporter haben dabei 520 von 6000 Bauvorhaben in zwei Wochen untersucht.  Für einen einzelnen Reporter wäre das unmöglich gewesen. Die Tatsache, dass wir viele Leute hatten, die viele Projekte im Auge hatten, brachte neue Aspekte hervor, die wir vielleicht in der Zukunft weiterverfolgen. Ich denke, dieses Projekt zeigt deutlich die Methode.

Außerdem haben wir einigen Leuten Anweisungen gegeben, wie sie einen Backgroundcheck durchführen können. Wenn man den Leuten Tools und Guidelines über die Website zur Verfügung stellt und ihnen die Chance gibt, kritisch zu untersuchen, was sich in ihrer Nachbarschaft abspielt, achten sie wesentlich mehr darauf, was los ist.

Aber wie sorgen Sie dafür, dass diese Menschen nicht voreingenommen sind?

Ich denke, voreingenommene Leute sind hervorragende Quellen. Wenn Journalisten Interviews mit Regierungsmitgliedern führen, dann stellen sie ständig Fragen an Menschen, die voreingenommen sind. Entscheidend ist, dass man überprüft, ob die Information korrekt ist. In meinem Fall ist es sehr wichtig, dass ich mich nicht auf den Einzelnen verlasse, um die Information zu verifizieren. Ich erfinde keine neuen Regeln für den Journalismus. Für den “Spot Check” bedeutete das, dass ich die Datensätze, die wir von unterschiedlichen Quellen bekamen, mit dem verglich, was unsere freiwilligen Mitglieder herausfanden. Zum großen Teil waren ihre Informationen korrekt. Im Laufe dieses Projekts hat mir niemand Infos geschickt, die ich nicht überprüfen konnte.

Lehnen Sie Informationen auch ab?

Es geht nicht darum, Information einfach zurückzuweisen, sondern kreative Wege zu finden, sie zu überprüfen. Versetzen Sie sich doch mal ein paar Monate zurück als sich Journalisten fragten, ob die Blogs und Tweets tatsächlich aus dem Iran stammten. Für viele war das eine unmöglich zu beantwortende Frage, weil sie die Information nicht überprüfen konnten. Jetzt stellen Sie sich vor, Sie haben ein Netzwerk von Leuten, mit denen Sie bereits gearbeitet haben, zu denen es ein unterschiedlich ausgeprägtes Vertrauen gibt, auf die man sich aber in Situationen wie im Iran verlassen kann. Dann ist man der Meute einen Schritt voraus. Es geht nicht mehr darum, zu warten und zu sehen, was einem in den Schoß fällt, es geht darum, Technologie zu verwenden, um enger mit seinen Quellen zusammenzuarbeiten.

Wie funktioniert ProPublica? from Marcus Bösch on Vimeo.

Gab es eine Situation, in der Sie begonnen haben mit Hilfe des Reporter Netzwerks zu recherchieren, sich aber dann dafür entschieden haben, einen professionellen Journalisten auf die Geschichte anzusetzen?

Bei dem Projekt “Off the Bus”, ein Projekt an dem ich beteiligt war, bevor ich zu ProPublica gekommen bin, standen 1700 Leute auf der Liste. Viele davon wollten aber nicht schreiben. Sie wollten beobachten und etwas recherchieren, aber nicht die Geschichte zusammensetzten. Wir wollten herausfinden, welchen finanziellen Einfluss Bill Clinton auf die Kampagne von Senator Clinton hatte. In 10 Tagen hatten wir so viele Infos zusammen, dass ich eine E-Mail an das Netzwerk schrieb und fragte, wer Interesse hätte, sie auszuwerten und herauszuschreiben, was interessant sein könnte. Nur eine Handvoll von Leuten hat sich daraufhin gemeldet. Ich finde, wenn es darum geht, Informationen auszuwerten und auseinander zu nehmen, haben viel weniger Leute Interesse daran, so dass man sich früher oder später für den bezahlten Profi entscheidet.

Wie viel Kritik gab es an dem Reporter Netzwerk?

Als ich mir mal anschauen wollte, welche Reaktionen der “Spot Check” online ausgelöst hatte, bin ich über einen Blogeintrag gestolpert. Mediabistro.com ist eine Seite für Medienprofis. Als wir den “Spot Check” gestartet haben, haben sie einen schnippischen Eintrag veröffentlicht mit der alten Leier: “Oh nein, sie verhökern unsere Jobs!”, aber als sie anschließend die Geschichte gelesen haben, die wir mit der Hilfe des Netzwerks recherchiert hatten, änderten sie ihre Meinung und sagten: “Oh, das war tatsächlich eine Geschichte, die für einen einzelnen Journalisten viel zu groß gewesen wäre.”

Es geht hier nicht darum, einen bezahlten Reporter zu ersetzen, es geht darum, mehr Arten von Berichterstattung zu ermöglichen. Wir tauschen hier nicht Bürger gegen Journalisten. Da aber die Technologie es einfach macht, Leute miteinander zu vernetzen und untereinander zu kommunizieren, haben wir die Möglichkeit, Geschichten anders zu schreiben. Wenn hunderte Leute helfen, ein Event im ganzen Land zu beobachten, bin ich sicher, ergibt das einen anderen Blickwinkel als wenn ein Reporter ein Event in New York City beobachtet.

Glauben Sie, dass auch andere Medienorganisationen auf Bürgerjournalisten verstärkt setzen?

Viele tun es ja bereits.  Wenn man auf die CNN Website geht, findet man den iReport. Die New York Times hat ihre Leser gebeten, sich Stadtratsitzungen anzuschauen.  Viele ihrer Slideshows auf der Internetseite stammen von Usern. Der Guardian hat Spesenabrechnungen von Abgeordneten ins Netz gestellt und die Leser gebeten diese durchzuschauen. Die New York Times hat dasselbe mit CIA Dokumenten gemacht. All das ist die natürliche Evolution im Journalismus. Es klingt vielleicht komisch, aber ich denke, das ist nichts Neues. Was wir machen ist, Technologie einzusetzen, um viele Menschen mit vielen Menschen zu vernetzen und um letztlich das zu tun, was Journalisten immer gemacht haben: Leute zu interviewen.

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Links für Journalisten

2009 November 4
by Steffen Leidel

Das Internet ist wirklich ein Wald, in dem es einem vor Bäumen nur so schwindelig wird. Irgendwie gibt es ja von allem alles und das mehrfach und von sehr unterschiedlicher Qualität. Hier meine Linksammlung von – meiner Meinung nach – essentiellen Links und Tools für Journalisten. Natürlich erhebe ich hier nicht im entferntesten den Anspruch auf Vollständigkeit, aber ich bin sehr daran interessiert, diese Liste weiter zu aktualisieren und fortzuschreiben. Also: wer Vorschläge von Links und Tools hat, die man unbedingt kennen sollte, bitte gerne!

Links für Journalisten

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Mein Social Circle und ich

2009 Oktober 28
by Marcus Bösch

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Die Idee ist einfach und gut und nicht neu. Wenn ich bestimmte Informationen suche, dann frage ich Freunde, Bekannte oder Freunde von Bekannten oder empfohlene Bekannte von Bekannten usw. Wenn mein Auto kaputt ist, dann frage ich den Automonteur bei dem der Vater meiner Freundin sein Auto immer reparieren lässt. Das Problem dabei: Es schlummert sehr sehr viel ungenutztes Potential in diesem Netz. Schließlich habe ich keine Ahnung, dass die Schwester eines Bekannten den Gasanschluss in der Küche sehr gerne und vollkommen kostenlos installiert hätte. Einzig: Ich wusste nicht mal, dass der Bekannte eine Schwester hat. So. Und jetzt zu Google.

Da testet man – neben wahrscheinlich 27.000 Ideen – die Google Social Search. Ergänzend zu “ganz normalen” Suchergebnissen, findet man in einer eigenen kleinen Rubrik am Seitenende explizite Informationen aus dem so genannten Social Circle. Und so würde ich wahrscheinlich auch auf die Schwester mit dem Gasanschluss-Hobby stoßen. Voila!

So what is Google Social Search? It’s a way that Google figures out people you trust, then ensures that you see content from them showing up in your search results

Hört sich an wie ein nettes Feature? Es ist mehr als das. Es ist mächtig. Und es ist ein wichtiger Teil der Zukunft im Internet. Denn bei immer größeren Datenmengen werden immer bessere Datenfilter nötig. Der beste Informationsfilter ist ein variables Netz von Menschen, dem eigenen Social Circle eben.

People will listen more to other people than to traditional sources. Google CEO Eric Schmidt

Menschen haben im Gegensatz zu Maschinen (z.B. Newsaggregatoren) den Vorteil, dass sie subjektiv, parteiisch und authentisch sind. Egal übrigens ob man diese Menschen seit 20 Jahren persönlich kennt oder Ihnen seit ein paar Tagen bei Twitter folgt. Die Grundlage dieser Beziehungen ist Vertrauen. Wem man vertraut, muss man selber – immer wieder – herausfinden. Jeder Social Circle ist einzigartig, persönlich und ein sich beständig fortentwickelndes System. Der Social Circle garantiert, dass “die Nachricht mich findet“.

In diesem Zusammenhang ist es gerade für Medienunternehmen wichtig und zentral in der allgemeinen Gemengelage als Teil eines Social Circle wahrgenommen zu werden. Nötig sind Interaktion, Authentizität, Transparenz und Glaubwürdigkeit. Wer sich als Medienanbieter ausschließlich außerhalb web-basierter sozialer Zirkel bewegt, der hat auf dem digitalen fragmentierten (Nahezu-) Echtzeit-Nachrichtenmarkt wenig Chancen.

Erst wenn ich als (klassischer) Medienanbieter als gleichwertiger, intelligenter Partner im Internet wahrgenommen werde, erst dann qualifiziere ich mich im Web 2.0 als ernstzunehmender Akteur. Einem Akteur dem man bisweilen so vertraut, dass man mit ihm in einen (gleichwertigen) Dialog tritt. Diese Qualifikation und ein stetes Vertrauen ermöglichen zum Beispiel Crowdsourcing-Projekte des Guardian. Vertrauensverhältnisse sind ein fragiles Gut und die Zyklen im Netz sind kurz (Man werfe einen Blick auf die Entwicklung von Myspace versus Facebook).

Ein netter kleiner Dienst der den Mehrwert des eigenen Social Circle bei Twitter aufzeigt: Twittertime.es – Eine Art Online-Zeitung die sich aus Content zusammensetzt, der vom Social Circle generiert wurde.

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Video-Interviews via Skype

2009 Oktober 15
by Marcus Bösch

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Skype ist eine unentgeltlich erhältliche VoIP-Software mit Instant Messaging-Funktion, Dateiübertragung und Videotelefonie, die ein proprietäres Protokoll verwendet. (Wikipedia)

Ich hatte Skype eigentlich immer wieder mal auf dem Computer – ohne es eigentlich wirklich zu nutzen. Das ab und an investierte Guthaben, um ins “echte” Telefonnetz zu telefonieren, verfiel jedes mal nach sechs Monaten. Für Reisende, Fernbeziehungsführende oder für Menschen mit Verwandtschaft am Ende der Welt ist Skype eine Offenbarung der modernen Technik und inzwischen wohl auch so etwas wie ein ganz normales tägliches Werkzeug der Kommunikation. Nur: Kann man damit auch journalistisch arbeiten? Ganz konkret: Kann man mit Skype plus Zusatzsoftware (für das Internet nutzbare) Video-Interviews in akzeptabler Qualität aufzeichnen?

Nun ja. Das ist die Antwort. Bei der Schnellrecherche findet man drei Artikel – jeweils einen aus den Jahren 2007, 2008 und 2009.

* CNN using Skype for Video interviews, 13.8.2008 –> In this case all they needed was a laptop computer and a borrowed webcam to set up a live video link from his hotel in Maui. Artikel erst nach Anmeldung!

* Recording a video interview with Skype, 8.8.2009 –> The fault is not with the applications themselves but with the limitations of the internet connection and the performance of the average computer. So, the conclusion is that we are not there yet in regard to recording good quality video interviews with Skype.

* Skype for Interviews – A How-To Video, 23.12.2007 –> Sehr technische Tipps. Allerdings: Audio only!

Insgesamt gibt es hier und da immer mal wieder Versuche und Bestrebungen, die Unmittelbarkeit, Schnelligkeit und Niedrigschwelligkeit von aufgezeichneten Video-Skype-Gesprächen zu nutzen. Bislang ohne durchschlagenden Erfolg. Habe das nochmal getestet. Mit einem handelsüblichen Macbook plus Skype plus Snapz. Ohne Headset oder externes Mikro. Hier die Ergebnisse:

–> Schon toll. Man ruft in Hanoi auf dem Hotelbalkon an und plaudert. Leider friert das Bild immer ein. Die Bandbreite reicht offenbar nicht aus. Für eine Wohnungsbesichtigung eignet sich eine Video-Skype-Session mit W-Lan. Schnelle Bildbewegungen überfordern das Programm allerdings.

–> Georgien und Ghana. Das ist ziemlich weit weg. Und funktioniert – halbwegs. Wirklich senden oder Nutzen kann man diese Aufnahmen nicht. Allerdings wird spürbar welche Möglichkeiten sich hier verbergen, z.B. Live-Aufsager im Internet-Cafe in der Stadt. So bald die Geschichte gut ist, verzeiht man die bisweilen rudimentäre Qualität.

–> Ein fest verkabelter Computer und eine gute Verbindung, dazu keine datenstromüberfordernden Bewegungen, so kann man schon recht gut ein “echtes” Interview führen.

Fazit:

Die Möglichkeiten von Skype sind beachtlich. Nur die Bandbreite macht einem im Moment meistens noch einen Strich durch die Rechnung. Wahrscheinlich lässt sich mit technischer Trickserei noch einiges optimieren. Der kleine Feldversuch zeigt aber auch, dass jede Situation anders ist und dass die Qualität nicht zwangsläufig etwas mit der Entfernung zu tun hat.

Denkbar sind zahlreiche spannende Szenarien: Via W-Lan und mobilem Computer berichtet ein Reporter live, während er durch eine Stadt läuft. In einem Internetcafe interviewt ein Reporter eine vor Ort anwesende Person, beide werden dabei gefilmt o.ä. Getestet habe ich mit Guy auch, ob man via Skype ein Interview führen kann, das zeitgleich via Bambuser gestreamt und aufgezeichnet wird. Vieles ist denkbar. Man muss es nur mal ausprobieren.

–> Haben Sie Erfahrungen mit Skype gemacht? Oder gute Beispiele gesehen? Freue mich über Linktipps!

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Multimedia-Storytelling: Weniger Flash, mehr Story

2009 Oktober 11
by Steffen Leidel

Multimedia Storytelling: Und nun? Das fragt sich Fabian Mohr, zuständig für Multimedia bei Zeit Online, und äußerte in seinem Blog kurz nach dem Scoopcamp “ein paar lose Beobachtungen und Gedanken” zum Thema. Aufrütteln muss vor allem sein Satz: “Das in Flash produzierte Multimedia-Paket alter Bauweise funktioniert einfach nicht.”

Ist das so? War Flash nicht das Allzweck-Programm für die neue bewegte, bunte und interaktive Multimedia-Welt? Waren es nicht gerade die vor Flash-protzenden Multimedia-Specials in den vergangenen Jahren, die renommierte Preise abräumten. (Man muss sich ja nur mal die Siegerliste der Webby-Awards ansehen)

Meine Erfahrung ist, dass komplexe Flash-Specials bei Kollegen, die gerade anfangen ihre Abneigung gegenüber dem Internet abzubauen, Staunen und Begeisterung auslösen. Besonders groß ist die Freude, wenn man die journalistischen Produkte aus den “klassischen Medien”, also Print-, Radio- oder TV-Beiträge einfach unverändert in eine animierte Flash-Oberfläche einbindet.

Gelungenes Beispiel für den Einsatz von Flash: Blue Whale von National Geographic

Gelungenes Beispiel für den Einsatz von Flash: Blue Whale von National Geographic

Doch auch ich bekomme immer mehr Zweifel, ob die mit großem finanziellen und vor allem zeitlichen Aufwand produzierten Flash-Specials die Zukunft des Multimedia-Storytellings sind. Sie sind schön anzusehen (”Wow, was man alles so machen kann”), aber helfen sie wirklich Geschichten besser und vor allem anders zu erzählen oder werden hier nicht Stories zum Füllmaterial für Effekte und Animationen? Und wollen das die Nutzer wirklich oder ist ihnen das nicht einfach zu umständlich? Und abgesehen davon: hat Flash – einmal nur vom technischen Standpunkt aus betrachtet – wirklich Zukunft? Bislang taugt Flash nicht für die Welt des mobilen Internets. Apple mag Flash nicht und was ist mit HTML 5? Hat es das Zeug zum Flash-Killer zu werden?

Multimedia-Journalismus ist noch sehr jung und viele von denen, die ihn trotz großer Widerstände mit viel Engagement in ihren Medienhäusern voranbringen wollen, sind euphorisch angesichts der neuen Möglichkeiten. Diese unbändige Experimentierfreude zeigt sich immer, wenn es technische  Neuerungen gibt. Das war zum Beispiel so, als man das Radio und das Fernsehen erfand, den Farbfilm einführte oder aktuell den digitalen 3D-Film in die Kinos bringt. Neue technischen Möglichkeiten bringen neue kreative Spielräume, die anfänglich bis ins Extreme ausgereizt werden. Der Inhalt ordnet sich dem Effekt unter.

In dieser Phase befinden wir uns auch im Multimedia-Journalismus. Und nur um Missverständnissen vorzubeugen: Wir brauchen Experimente und wir brauchen auch Flash (zumindest noch). Dennoch muss doch jetzt die Frage beantwortet werden: Was heißt multimediales Arbeiten in der alltäglichen Arbeit? Fabian Mohr hat völlig Recht, wenn er sagt, dass Multimedia-Storytelling eben nicht mehr nur etwas sein dürfe, das sich eine “eine Online-Redaktion gönnt”. Es ist nicht nur Sahnehäubchen, es muss unser tägliches Brot werden, denn guter Onlinejournalismus ist nun mal Multimedia-Journalismus.

Wie kann man das schaffen? Erst einmal ist nötig, dass Stories wieder vor Effekte und Animationen treten. Der Einsatz von Flash ist kein Selbstzweck. Und eine wichtige Erkenntnis ist meines Erachtens auch, dass das Internet das Storytelling und die dramaturgischen Grundregeln nicht neu erfindet. Die Erzählmuster, die einer gute Geschichte zugrunde liegen, sind heute nach wie vor die gleichen wie vor 2000 Jahren. Zu komplexe Online-Dossiers mit zu vielen Ebenen verstören den Nutzer eher, als dass sie ihn für ein Thema begeistern.

Also: Story matters. So drückt es Brian Storm von mediastorm aus. Mediastorm gilt zu Recht als Vorzeigemodell im Multimedia-Storytelling. Wer sich die Produkte ansieht, wird vergeblich nach aufwändigen Flash-Spielereien suchen. Mediastorm zeigt vielmehr, dass die klassische lineare Erzählweise auch im Internet erfolgreich sein kann, wenn eben die Geschichte stimmt.

Das Revolutionäre an Mediastorm ist vor allem seine kluge Distributionsstrategie. Mediastorm bedient praktisch alle Social-Media Kanäle und auch den mobilen Ausspielweg. Davon kann heute bei den meisten Flash-Specials nicht die Rede sein. In den mobilen Versionen von Multimedia-Produkten liegt sicher die Zukunft, denn wie der Boom der iPhone-Apps zeigt, sind die Leute offenbar bereit, dafür auch Geld zu bezahlen.

Eine wichtige Erkenntnis der Experimente in der Vergangenheit ist: In der simplen Idee liegt die Kraft. Für mich ist das Big Picture des Boston Globe so eine Idee. Großformatige, herausragende Bilder zu einem Thema werden untereinander auf eine Seite gestellt. Einfach Grandios! Für so etwas brauche ich keine wochenlange Vorbereitung, das ist ein Format, dass passt auch in die alltägliche Arbeit.

Simple Ideen bzw. Fragen stecken auch hinter den herausragenden Infografiken der New York Times. Zum Beispiel: Wie haben sich die Einwanderer im Laufe der vergangenen zwei Jahrhunderte über die USA verteilt oder wie verbringen verschiedene soziale Gruppen ihren Tag? Hier wird der Nutzer nicht erschlagen von einem überbordenden Internetdossier, sondern versteht anhand einer einfach zu bedienenden Grafik ein komplexes Thema.

Ein weiterer wichtiger Punkt im Multimedia-Storytelling ist, dass Medien endlich mal akzeptieren müssen, dass Onlinejournalismus Professionalisierung braucht. Wie man das erfolgreich macht, zeigt zum Beispiel das Multimedia-Team der New York Times (siehe das lab-Interview mit Andrew DeVigal, Multimedia Editor der New York Times). Hier macht nicht jeder alles, sondern es gibt eine kluge Arbeitsteilung zwischen Reportern, Fotografen, Editors und Producers. Ziel sind eben keine Wackelvideos oder Audioslideshows mit unscharfen Fotos und blechernem Ton, sondern schlicht Produkte, die den klassischen Qualitätskriterien eines guten journalistischen Produkts entsprechen. Das ist der Unterschied zu Bürgerjournalismus, der vom Charme des Authentischen und Unmittelbaren lebt.

Linktipp:

10000words: 3 reasons journalists shouldn’t use Flash

Mediastorm: Behind the Scenes

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Werde Multimedia-Journalist!

2009 Oktober 1
by Steffen Leidel

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Hole Dir Inspiration!

Es gibt einige herausragende Multimedia-Seiten, die man immer im Blick behalten sollte und die zur Nachahmung empfohlen sind:

Mediastorm setzt Maßstäbe für Storytelling und für Audioslideshows mit Videoelementen

Flypmedia versucht Hochglanzdesign aus der Printwelt mit den interaktiven Möglichkeiten des Netzes zu kombinieren

Die Multimedia-Seite der New York Times ist immer einen Blick wert, besonders wenn es um interaktive Infografiken und Slideshows geht

Interactivenarratives.org Einzigartige Sammlung von Multimedia-Specials. Jeder kann Beispiele hochladen. Eingerichtet wurde die Seite von Andrew DeVigal, Multimedia Editor der New York Times

Die Special-Seite der zweitgrößten spanischen Tageszeitung El Mundo bietet aufwändig-produzierte, flash-animierte Specials

Die Seite Kobreguide sammelt Beispiele von herausragenden Multimedia-Angeboten

Ein Sammlung von Multimedia-Specials gibt es auch in meinem delicious-Account

Lerne die Grundlagen!

Füge einfach unser Lab-Blog Deinem Feedreader hinzu. Wir geben in unregelmäßigen Abständen Tipps und Anregungen zu multimedialem Arbeiten. Zu finden sind die Texte stets unter unserer Kategorie Multimedia

Sehr zu empfehlen ist die 15-teilige Blogserie von Mindy McAdams “Reporter’s Guide to Multimedia Proficiency” (auch als pdf). Die Medienjournalistin Ulrike Langer wird den RGMP in ihrem Blog Medial Digital in den nächsten Wochen (jeweils am Dienstag) auf Deutsch präsentieren.

Der Multimedia-Journalist Adam Westbrook gibt in  seiner 6×6-series grundlegende Tipps zum multimedialen Arbeiten.

Auf der von Studenten der University of Miami School of Communication gestalteten Seite Multimedia-Standards kommen führende Multimedia-Macher zu Wort, u.a. Andrew DeVigal (Multimedia-Editor der New York Times), Brian Storm (Mediastorm)

Im Blog Advancing the Story findet man Basistexte zum multimedialen Arbeiten

Besonders empfehlenswert

Der Blog-Post von 10000words-Blogger Mark S. Luckie. Er hat eine Liste von Seiten erstellt, wo man Tutorials rund um Multimedia finden kann.

Lesen sollte man auch die Gedanken und Erkenntnisse von Zeit-Multimedia-Chef Fabian Mohr zur Zukunft von Multimedia-Storytelling

Halte Dich auf dem Laufenden!

Pflichtlektüre ist das Blog von Mindy McAdams Teaching Online Journalism. Es ist die Referenz im (englischsprachigen) Web für Onlinejournalismus-Training

Der Multimedia-Shooter von Richard Koci bietet Beispiele, Tutorials, Termine rund um den Multimedia-Journalismus. Auf der Seite gibt es ein knappes, sehr gutes Tutorial über multimediales Arbeitenals pdf zum Download

Das 10000words-Blog von von Mark S. Luckie. Immer gute Tipps und Beispiele zu multimedialen Specials. Ein Must-Read

Smashingmagazine.com Das Blog zu Fragen von Bildbearbeitung und Design

Adam Westbrook beschäftigt sich vor allem mit Fragen zu Storytelling und Videojournalismus

Innovativeinteractivity Blog von Tracy Boyer. Sehr empfehlenswert!

Auf Deutsch:

Iso800 Das Blog von Fabian Mohr, bei Zeit online zuständig für Multimedia, ist eine gute Inspirationsquelle und bietet interessante Erkenntnisse aus der Praxis.

Rufposten Das von Matthias Eberl betriebene Blog berichtet über Multimedia, digitales Storytelling und Kunst im Netz. Und zeigt Beispiele aus der eigenen Praxis.

Soundphotographer Fabian Schweyher hat sich in seinem Blog vor allem auf Audio Slideshows spezialisiert

Fange an zu experimentieren!

Was Onlinejournalismus und Multimedia-Storytelling jetzt vor allem brauchen, sind Experimente. Also los geht’s!

Hier einige Tools mit denen man schön herumspielen kann:

Soundslides.com ist das Programm für Audio-Slideshows. Super simple, sehr günstig und macht einfach Spaß.

Auf Vuvox.com kann ohne großen Aufwand und ohne Programmierkenntnisse Flash-Galerien und Slideshows mit Bild, Audio und Video erstellen.

Video-Clips: Experimentiere mit den Pocket-Kameras von Flip oder von Kodak (besonders zu empfehlen ist die neue Kodak Zi 8 wegen des externen Mikrofoneingangs) Auch iPod oder iPhone eignen sich für Multimedia-Experimente. Einen Qualitätsvergleich der Videoaufnahmen von Flip, Kodak und iPod gibt es hier.

Veröffentliche deine Arbeiten und sprich darüber

Poste Deine Arbeiten via Blogger, Wordpress, Tumblr oder am einfachsten via Posterous. Und tausche Dich über Deine Arbeit aus, via Twitter und Facebook.

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(Video-) Bloggen mit dem iPhone

2009 September 30
by Marcus Bösch

Bild 4

Es funktioniert! Man kann mit einem Telefon journalistisch berichten – multimedial und fast in Echtzeit, inklusive Bild, Text, Ton und Video.

Zusammen mit Kollegen diverser LRAs (ARD-deutsch für Landesrundfunkanstalten) habe ich während der Bundestagswahl in Berlin (video)gebloggt.  Mit dem iPhone 3 GS. Das Ganze war ein Experiment. Meines Wissens, der erste Versuch in Deutschland eine Großveranstaltung mit mehreren Leuten via iPhone-Videoblog abzudecken.


—TEXT—

Bild 3

Programm: Mail

Prozedere: Text abzusetzen ist relativ simpel. Man schreibt eine E-Mail. Fertig. Zumindest wenn man entweder eine Weiterleitung via Posterous nutz oder – wie in unserem Fall – nette Kollegen in der Reichstagsredaktion hat, die die Einträge editieren und einstellen .

Plus: Schnell und einfach. Zusammen mit Bild(ern) schon sehr aussagekräftig.

Minus: Nach mehr als drei Sätzen geht einem der Touch-Screen auf die Nerven.


—BILD—

Bild 8

Programm: Kamera

Prozedere: Foto machen. Auf das Foto draufklicken. „Per E-Mail senden“ wählen. Ggf. betiteln. Fertig.

Plus: Intuitiv und schnell machbar.

Minus: Bilder lassen sich nicht ohne weiteres bearbeiten (zum Beispiel drehen!). Mehrere Bilder in eine Mail packen geht auch nicht ohne weiteres. Die Qualität der Kamera ist nicht sensationell. Kein Blitz. Kein Zoom.

—AUDIO—

Bild 5

Programm: Audioboo, Sprachmemo

Prozedere: Audioboo ist eine eigenes kleines Programm, das aufgenommene Audios direkt ins Web stellt. Wenn man im Vorfeld eine automatische Weiterleitung einrichtet, dann landet das Audio in einem Audioboo-Player auch auf dem gewünschten Ziel-Blog. Sprachmemos kann man einfach per Mail versenden, es handelt sich dabei aber nicht um MP3s.

Plus: Kleine Aufsager, situative Beschreibungen sind leicht machbar. Dazu gibt es bei Audioboo jeweils ein Foto, bei Bedarf eine Karte mit Verortung und Tags.

Minus: Schneiden kann man hier nicht. Notfalls muss man die Aufnahme anhören, wegschmeißen und neu aufnehmen.


—VIDEO—

Programm: Kamera

Prozedere: Man nutzt die eingebaute Kamerafunktion und dreht ein Video. Danach kann man es direkt betiteln und zu YouTube senden. Alternativ auch per Mail. Zum Beispiel zu Posterous.

Plus: Das geht schneller als beispielsweise ein Video per Flip oder Kodak aufnehmen, dann per USB auf einen Rechner und dann hochladen. (Siehe: Der Anfang vom Ende der Flip)

Minus: Im Moment kann man bei den Videos nur den Anfang und das Ende „trimmen“. Schnitte sind nicht möglich. Auch sonst ist (noch) nichts weiter möglich: Keine Nachvertonung. Keine Aufhellung der Bilder. Kein Drehen der Bilder bei versehentlichem „Auf-dem-Kopf-drehen“. Ohne W-Lan kann man den Upload eigentlich vergessen. Das dauert absurd lang und verbraucht sehr viel Akku.

—ZUSAMMENFASSUNG—

Ein Telefon reicht! Das ist die zentrale Erkenntnis. Man kann ohne Mikro, ohne Notebook, ohne Fotoapparat, ohne Block und ohne Stift multimedial berichten. Das ist nicht immer komfortabel. Und auch nicht immer sinnvoll. Aber es geht unglaublich schnell. Wenn man einen vollen Akku (2-4 Stunden) und eine vernünftige Internetverbindung (W-Lan für Video eigentlich notwendig) hat.

Das ganze ähnelt von der Arbeitsweise manchmal der klassischen „Live-on-tape“-Radioreportage, manchmal der „normalen“ Bloggerei / Twitterei. Erfahrung und ein Gefühl für kurze, prägnante Texte, ein Auge und ein Ohr für „Berichtenswertes“ helfen. Damit das Ergebnis journalistischen Mehrwert bietet. Meiner Ansicht nach ist ein iPhone-Videoblogger sinnvoll einsetzbar, wenn die Lage durcheinander, unübersichtlich und medial nicht bereits komplett abgedeckt ist.

—LINKS—

Mobiler Reporter: 2005 und 2009 (inkl. Qik-Demonstration)

Mobile Reporting in der Theorie – mit Twitter, Audioboo, Tumblr, Posterous

Mehr oder weniger sinnvolle Zusatz-Gadgets (in der Tat wäre eine Art Griff sinnvoll)

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Alles so schön laut hier!!

2009 September 20
by Marcus Bösch

Flickr // CC// kevindooley

Ich habe keine Ahnung wann ich das alles schaffen soll. Außerdem ist mir das alles viel zu viel. Und überhaupt ist das Allermeiste davon ja wohl sinnloses Getöse…

So oder so ähnlich hört man das sehr oft, wenn man mit Kollegen über das Internet redet. Bis jetzt war mein Lieblingseinwand das bereits mehrfach zitierte und immer noch sehr schöne und schlichte “It´s not information overload, it´s filter failure” von Clay Shirky. Daran ist immer noch nichts falsch. Die Aufgabe von (zukünftigen) Journalisten sollte übrigens genau da ansetzen – an der Schnittstelle von – man entschuldige die englischen Begriffe – Data auf der einen und Meaning auf der anderen Seite.

In diesem Zusammenhang sehr schön ist die Gegenüberstellung klassischer Agenturoberflächen mit Twitter oder einem Feedreader. Letztlich sehr ähnlich das Ganze…

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Mein Punkt heute ist aber ein anderer. Und dafür musste ich – über Umwege – auf den Artikel Why Online “Noise” is Good For You vom 6. Juni 2008 stoßen.

Scanning quickly over large quantities of roughly relevant information can turn up invaluable resources, opportunities, context and contacts that you can passively process or opportunistically leverage at will.

Das ist wahr. Und gilt selbstverständlich nicht nur für Online-Medien. Jeder Zeitungsjunkie, jeder der Artikel ausschneidet, markiert und dann gefaltet irgendwo ablegt oder allen Ernstes noch einen analogen Zettelkasten besitzt,  weiß wovon die Rede ist: Sehr viele – manchmal nur aus dem Augenwinkel, flüchtig, nebenbei – konsumierte Informationen ergeben ein großes eigenes Ganzes. Und sind unglaublich hilfreich. Spätestens in der Themenkonferenz.

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Social media noise is an essential part of learning and living on the web. Die neue Kulturtechnik der Online-Informationsbeschaffung und -verarbeitung lernt der  am besten, der sich mitten hinein begibt, sich durch endlose Feeds scrollt, sich unter Textmassen, Bildern, Videos, Graphiken begräbt, eintaucht, um irgendwann verwirrt und erschöpft wieder aufzutauchen. Vielleicht sollte man eine Auszeit nehmen, um die Sache komplett zu durchdringen. Ungefähr so wie Wim Wenders 1966 in Paris: 5 Kinofilme am Tag anschauen -  ein Jahr lang.

So take some time for yourself when you can, find a nice place to sit with a cup of tea and blow through a few hundred items in your RSS reader.

PS. Anlass für dieses Posting war eigentlich der Artikel How to: Follow Hundreds of Tech Analysts on Twitter With 3 Clicks

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Rauschen im Netz 



2009 September 14
by Marcus Bösch

Tagesschau.de und ARD-aktuell haben heute mit Netzrauschen ein neues Format zur Bundestagswahl vorgestellt…Das Format wirkt sympathisch. Markus Beckedahl bei Netzpolitik

Anfang Juli habe ich im Blog netzpolitik.org von Netzrauschen gelesen. Fand das alles natürlich erst sehr gut, fand das dann aber doch bisweilen eher bemüht, denn warum filmt man mit der intergrierten Macbook-Kamera, um dann eigentlich doch wieder und ausschließlich mit einem Kameramann zu drehen?! Auch das jeweilige Setting ist immer sehr statisch. Da hätte man – meiner Ansicht nach – (noch) mehr wagen können.

Damals wusste ich allerdings auch noch nicht, dass Netzrauschen auch im TV läuft. Zumindest im digitalen ARD-Informationsprogramm EinsExtra – Wer einen Link zur Sendung auf der Eins-Extra-Seite findet, der sollte Detektiv werden und seine Erkenntnisse bitte teilen!! Natürlich wusste ich da auch nichts von den realen Gegebenheiten vor Ort – denn in diese ist jedes Projekt egal wo und von wem eingebettet. Immerhin gibt es das Format! Als Testballon. Es gibt einen recht innovativen neuen Web-Player. Und es gibt eine – wie immer noch bestimmt optimierbare – Web 2.0-Präsenz. Das ist ein Anfang. Es tut sich etwas an der Schnittstelle von Web und TV.

Vor den Wahlen scheint es uns günstig, ein paar Geschichten einmal anders anzugehen. Dabei wollen wir nicht den oberflächlichen Zeitgeist-Hokuspokus mit ein paar Zappelbildern und infantilem Text auf die Bühne bringen. Wir wollen versuchen, unsere gemeinsame journalistische Kompetenz bei tagesschau und tagesschau.de so zu verschmelzen, dass wir inhaltlich nicht abspecken, in der Form aber für uns neues Land betreten. Dabei kalkulieren wir ein, dass der eine oder andere Kämpe, der schon seit dem Sechs-Tage-Krieg bei ARD-aktuell für Qualität steht, ob der Form mit der Stirn runzelt. Eines unserer Experimente ist Netzrauschen. Thomas Hinrichs im Tageschau-Blog

Gut, dass bei einem kleinen Tagesschau-Besuch zufällig Jan Oltmanns durch das Großraumbüro lief. Jan plant und arbeitet – zusammen mit einigen Fernsehkollegen – für Netzrauschen. Wir haben auf dem Platz vor Haus 18 kurz gesprochen.

Kleine Randbemerkung: Hoffe, dass der externe Mikrozugang der Kodak Zi8 die Audioqualität mit einem vernünftigen Mikro in Zukunft deutlich verbessert! Vielleicht wäre auch die Anschaffung eines Miniatur-Teleskop-Stativs eine lohnende Investition…

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